20.11.2014

Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 18.11.2014

"Innovative Forschungsbeiträge von großer Bedeutung für den Tierschutz"

Umweltministerin Priska Hinz gibt Preisträger des Hessischen Tierschutz-Forschungspreises 2014 bekannt

Die Hessische Landesregierung will für Hessen als wichtigem Standort für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung mit dem Tierschutz-Forschungspreis auf Landesebene einen besonderen Anreiz setzen. "Wir freuen uns, in Hessen kluge Köpfe zu haben, die mit hervorragenden Ideen dazu beitragen, die Zahl der Tierversuche und das Leiden von Versuchstieren zu verringern. Ihre Leistungen wollen wir entsprechend öffentlich würdigen, nicht zuletzt auch als Ansporn für andere", so Umweltministerin Priska Hinz während der heutigen Preisverleihung.

Die Jury, der die Landesbeauftragte für Tierschutz sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschule und Industrie, Behörden und Tierschutzorganisationen angehören, hat sich nach intensiven Beratungen dafür entschieden, den Preis zu teilen:

Prof. Dr. Thorsten Stiewe von der Philips-Universität Marburg arbeitete über eine "Methode für das Monitoring von transplantierten Tumoren in Mäusen" und überzeugte damit die Jury. Er darf sich über ein Preisgeld von 10.000 Euro freuen. Die Methode von Prof. Stiewe setzt zum einen daran an, dass zwei unterschiedliche Tumorzellenpopulationen in einem Tier minimal-invasiv und quantitativ verglichen werden können. So halbiert sich die Zahl der eingesetzten Tiere. Die Tumorzellen werden dabei mit künstlichen Markern versehen – Luciferasen. Dies sind Enzyme, die Substanzen unter Lichtproduktion umsetzen. Die Lichtintensität steht dabei in Zusammenhang mit der Luciferasemenge. Für die Messung der Luciferase genügt ein einziger Blutstropfen aus der Schwanzvene. Die Arbeit von Prof. Thorsten Stiewe zeigt, dass in Blutproben quantifizierbare Luciferasen ein verlässliches Maß für die Gesamttumorzellmasse in einer Maus sind. Damit entfallen auch die technisch aufwendigen, bisherigen Untersuchungen, wodurch die Belastungen der Tiere minimiert werden. Zudem bietet die Verwendung der Luciferasen noch den Vorteil, dass sie sensitiver sind als das bislang übliche Betrachten und Befühlen der wachsenden Tumore. Untersuchungen zu Tumorwachstum-Therapie könnten also zukünftig sowohl mit halb so vielen Tieren als auch früher, also in einem das Tier weniger belastenden Stadium, durchgeführt werden.

Dr. Stefan Weigt von der Firma Merck, Darmstadt arbeitete über die "Entwicklung eines in vitro Zebrafischembryo Teratogenitätstests" und auch seine Arbeit ist von großer Bedeutung. Der Test fußt auf der von Dr. Thomas Broschard und Francois Busquet entwickelten, 2007 ausgezeichneten "Methode zur Identifizierung teratogener und proteratogener Substanzen mittels Fischembryonen". Untersuchungen zur Teratogenität sind gesetzlich vorgeschrieben. Teratogene Substanzen sind solche, die am Embryo Miss- und Fehlbildungen hervorrufen. Untersuchungen auf Missbildungen werden deshalb routinemäßig in großen Zahlen vorgenommen. Verwendet werden Millionen trächtiger Ratten und Kaninchen. Der weiterentwickelte Test berücksichtigt nun die gesamte Embryonalentwicklung. Zudem bedarf es nicht mehr der Aktivierung der Testsubstanzen durch Säugetiergewebe. Dies macht es möglich, die Zahl der Versuchstiere weiter zu reduzieren. Bahnbrechend ist der neu gewonnene Nachweis des entwicklungsschädigenden Potentials des Blutgerinnungshemmers Warfarin beim Menschen. Dies konnte bislang weder im Tierversuch noch in vitro nachgewiesen werden. Für seine Forschungsarbeit erhält Dr. Stefan Weigt ein Preisgeld von 5.000 Euro.

"Wir dürfen nicht nachlassen, nach weiteren Ansätzen zur Vermeidung von Tierversuchen oder zur Minderung von Schmerzen und Leiden zu suchen, und diese Methoden dann auch in die breite Anwendung zu bringen", machte Umweltministerin Priska Hinz abschließend deutlich.

Hintergrund:

Der Tierschutz-Forschungspreis des Landes Hessen wurde bundesweit erstmalig in seiner Art 2005 ins Leben gerufen. Mit dem Preis werden gezielt wissenschaftliche Arbeiten von in Hessen tätigen Personen oder Einrichtungen ausgezeichnet, die einen besonderen Beitrag zur Vermeidung oder Verminderung von Tierversuchen oder ähnlichen Eingriffen oder Behandlungen leisten. Der Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist, soll dazu beitragen, die Anzahl und das Leiden von Versuchstieren in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie der Herstellung biomedizinischer Produkte zu verringern. Teilnahmeberechtigt sind Personen oder Personengruppen, die in Hessen wissenschaftlich tätig sind sowie in Hessen ansässige wissenschaftlich tätige Firmen und Einrichtungen.

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