FAQs im Ausbildungswesen im Kontext der Corona-Pandemie

 

Findet die Zwischenprüfung für TFA am 01. April 2020 statt?

Aufgrund der aktuellen Situation hat die Landestierärztekammer Hessen entschieden, die Zwischenprüfung vom 01. April 2020 ersatzlos entfallen zu lassen. Auf das Schreiben des Präsidenten der LTK Hessen, Herrn Dr. Stammberger,wird verwiesen.Bereits gezahlte Prüfungsgebühren werden erstattet. Die Rückzahlung kann sich durch die aktuelle Situation verzögern.

Findet die Abschlussprüfung wie geplant statt?

Wegen der bis Ende der Osterferien geltenden Schulschliessungen wurde der Prüfungsablauf geändert. Die praktischen Prüfungen beginnen, wie geplant, am 25.05.2020. Die schriftlichen Prüfungen finden am 18. und 20. Mai 2020 jeweils um 14 Uhr in der jeweiligen Berufsschule statt. Bitte informieren Sie die Auszubildenden. Eine gesonderte Einladung geht Ihnen Ende April zu. 

Ist Homeoffice für Auszubildende möglich?

Grundsätzlich sollten Auszubildende nicht im Homeoffice arbeiten. Aus § 14 Abs. 1 Nr. 2 BBiG ergibt sich, dass der Ausbildende den Auszubildenden selbst auszubilden hat oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen hat. Der Ausbilder muss überwiegend in der Ausbildungsstätte anwesend sein, damit er den Auszubildenden ordnungsgemäß anleiten und seine Arbeitsergebnisse kontrollieren kann. Dies ist in der Regel jedoch dann nicht möglich, wenn der Auszubildende im Homeoffice arbeitet. Aufgrund der derzeitigen Umstände kann es jedoch im Einzelfall vertretbar sein, ausnahmsweise Homeoffice auch für Auszubildende zuzulassen, insbesondere dann, wenn der Ausbilder die Arbeitsergebnisse z.B. per E-Mail kontrollieren kann.

 

Ist Kurzarbeit in der Berufsausbildung denkbar?

Grundsätzlich sind Auszubildende bei der Prüfung, ob ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, außen vor zu lassen. Dennoch ist auch die Ausbildung in der Regel von den Auswirkungen der Kurzarbeit betroffen. Die folgende Übersicht verdeutlicht die Handlungsspielräume und Optionen der betroffenen Betriebe.

Kann Kurzarbeit gegenüber Azubis angeordnet werden?

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er z.B. folgende Möglichkeiten:

Umstellung des Lehrplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte

Versetzung in eine andere Abteilung

Rückversetzung in die Lehrwerkstatt

Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen

Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Diese Option ist allerdings restriktiv zu handhaben.

Wie sieht es mit Kurzarbeit der Ausbilder aus?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.

Besteht bei Kurzarbeit weiter eine Vergütungspflicht?

Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen.

Müssen Auszubildende während der Corona bedingten Schließung der Berufsschulen trotzdem zur Nutzung der Online-Lernplattformen freigestellt werden?

Auch die Berufsschülerinnen und Berufsschüler der dualen Ausbildung im Bereich Tiermedizinische Fachangestellte sind aktuell von den Schulschließungen betroffen. Die Berufsschulen Frankfurt, Gießen und Kassel haben umfangreiches Material vorbereitet und in virtuelle Plattformen eingestellt. Klassenlehrer/in und Fachlehrer/in sind für die Schüler erreichbar. Diese Lösung kann den regulären Berufsschulunterricht nicht vollständig ersetzen, hilft aber im Hinblick auf anstehende oder spätere Prüfungen und ist deshalb zwingend notwendig. Gemäß § 15 (1) Nr. 1 BBiG muss die Ausbilderin/der Ausbilder seine/n Auszubildende/n für die Teilnahme freistellen. Aus diesem Grund sind Auszubildende einmal die Woche für einen Tag freizustellen. Nach Rücksprachen mit allen Berufsschulen soll dies der erste Berufsschultag der Woche sein. Für Fragen stehen wir Ihnen gerne unter 06127-907522 zur Verfügung.

 

Verlängert sich die Ausbildungszeit, wenn die Prüfung verschoben wird?

Nein, die Ausbildungszeit verlängert sich nicht. Dies ergibt sich aus § 21 Absatz 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Danach endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Erreichen des vertraglich vereinbarten Ausbildungsendes, auch wenn die Abschlussprüfung noch nicht abgelegt ist. Eine Verlängerung der Ausbildung über die nach dem Ausbildungsvertrag oder nach der Ausbildungsordnung vorgesehene Ausbildungsdauer hinaus durch vertragliche Vereinbarung sieht das BBiG nicht vor. Die IHK kann nach § 8 Absatz 2 BBiG auf Antrag Auszubildender die Ausbildungsdauer verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Diese kann bei einer längeren Corona-bedingten Ausfallzeit der Berufsausbildung im Betrieb oder in der Berufsschule durchaus der Fall sein.

 

Entstehen dem Prüfling Nachteile, wenn die Prüfung verschoben wird?

Grundsätzlich sollten den Prüflingen keine Nachteile durch eine verschobene Prüfung entstehen. Der ausgefallene Termin wird selbstverständlich nicht als Prüfungsversuch gewertet.

 

Muss ich mich erneut zur Prüfung anmelden?

Für die bevorstehende Abschlussprüfung müssen Sie sich nicht erneut anmelden (Falls diese verschoben werden sollte).

 

Kann der Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Auszubildende können nicht pauschal in “Zwangsurlaub” geschickt werden. Urlaub muss der Auszubildende beantragen und er kann nicht gegen dessen Willen einfach angeordnet werden. Ähnliches gilt für den Abbau von Überstunden. Der Auszubildende selbst oder auch der Betriebsrat können eine Vereinbarung mit der Unternehmensleitung treffen. Hier zählt der Einzelfall.

Betriebsurlaub kann vom Arbeitgeber im Rahmen seines Direktionsrechts grundsätzlich angeordnet werden. Allerdings nicht nur für Auszubildende. Es muss sich dann um eine generelle Regelung für den gesamten Ausbildungsbetrieb oder zumindest für organisatorisch klar abgegrenzte Betriebsteile handeln, auf die sich die betriebliche Sondersituation auswirkt.

 

Darf der Ausbildungsbetrieb seinen Auszubildenden freistellen?

Eine Freistellung von der Ausbildung verstößt immer – ob bezahlt oder unbezahlt – gegen die Verpflichtung Ausbildender zur Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit (§ 14 Abs. 1 Nr. 1 BBiG). Sie ist deshalb nur in den gesetzlich ausdrücklich vorgesehenen Fällen möglich. Eine schlechte Auftragslage oder gar ein behördliches Verbot, die Ausbildungsstätte weiter zu betreiben, gehören nicht zu diesen Fällen.

Stellen Ausbildende Auszubildende dennoch von der Ausbildung frei und entstehen diesen dadurch finanzielle Nachteile oder Lücken in der Ausbildung, welche zur Nichtzulassung zur Abschlussprüfung oder zum Nichtbestehen der Abschlussprüfung führen, sind Ausbildende im Einzelfall schadenersatzpflichtig.

 

Kann dem Auszubildenden gekündigt werden?

Kurzarbeit an sich kann keine Kündigung der Auszubildenden durch den betroffenen Ausbildungsbetrieb rechtfertigen. Es sei denn der Ausbildungsbetrieb kommt für längere Zeit vollständig zum Erliegen. Entfällt dadurch die Ausbildungseignung des Betriebes, ist eine Kündigung der Auszubildenden möglich, ohne dass ein Schadensersatzanspruch entsteht. Die Ausbilder sind aber dazu verpflichtet, sich mit der zuständigen Agentur für Arbeit rechtzeitig um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen.